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Peter Gyuroka

Sommerträume

Eine wunderschöne, verlorene Jugend

Stück

Deckblatt Bindeart: geb.
Format: 16 x 22 cm
Seiten: 198
Preis: 19,50 €
ISBN: 978-3-902427-89-2

Die Gyurokas haben zwar ungarische Wurzeln, sprechen aber Deutsch und leben in der vielsprachigen Welt der vojvodinischen Stadt Weißkirchen (Bela Crkva). 1945 verliert der zehnjährige Peter seine Heimat („Ein unendlicher, gesegneter, einziger Garten, in dem die einzelnen Felder die Beete sind ...“) und seine Mutter, die krankheitshalber zurück bleiben muss. Er wird sie nie wieder sehen.Irgendwann, nach scheinbar unendlich langen Umwegen und Irrfahrten, landet der Rest der Familie in einem der damals zahlreichen Linzer Flüchtlingslager. Schnell zwingt das Leben Peter, erwachsen zu werden, zumal er bald von einer heimtückischen Krankheit angegangen wird, die ihn viele Jahre seines jungen Lebens nicht mehr aus ihren Krallen lassen wird. Von den Ärzten bereits aufgegeben, erhält er von unerwarteter Seite Hilfe ...Ohne dass er sich selber groß herausstellt, treten doch in diesen 62 Geschichten die charakteristischen Seiten Peter Gyurokas hervor: sein aufrechter Gang, seine Lebensfreude und sein künstlerisches Feingefühl ...

„Ein liebenswürdiges Werk von hoher Schreibkultur und einzigartiger Poesie, groß genug, um in die Reihe der immer wieder lesenswerten Werke aufgenommen zu werden ...“

Karl Rametsteiner



Inhaltsangabe zu „Sommerträume“

Peter hat große Ohren. Er ist ein GYUROKA, und Gyurokas haben nun einmal große Ohren.Es macht ihm auch nichts aus, denn Michael, sein Urahne, war ein ungarischer Freiheitskämpfer und hatte auch große Ohren. Peters Muttersprache ist Deutsch, doch sie sind Ungarn und wohnen in der Vojvodina, am äußersten Ende Serbiens in einem verträumten Provinzstädtchen mit städtischem Kuhhirten und städtischem Stadttrommler.Peter wächst hier mit Bunjewatzen, Razen, Madjaren, Rumänen und Juden auf. Insgesamt leben hier dreißig Nationalitäten. Alle suchen hier Freiheit und Glück.Hier leben auch 500.000 Deutsche, Donauschwaben genannt, weil sie aus vielen deutschen Ländern mit Schiffen die Donau herabgekommen waren und die Vojvodina besiedelt hatten.Sie haben sie mit unsäglicher Mühe entsumpft und entwässert und zu einem blühenden Garten gemacht – zur Kornkammer der Monarchie. 1941, als Peter vor seinem Schulanfang steht, wird das Land von den Nationalsozialisten besetzt. Weißkirchen ist nun vollgestopft mit Soldaten aller Einheiten. Sie sind in den vorhandenen Kasernen untergebracht, den Schulen, in den Parkanlagen und einquartiert in den Häusern der Deutschen. In dieser Stadt bricht Titos Partisanenaufstand aus, und Peter ist mitten drin in diesem Hexenkessel. Er findet den Krieg faszinierend und aufregend und ist stolz auf manche Soldatenfreundschaft. Er liebt seine Lehrerin, ist in eine seiner Mitschülerinnen verliebt und liebt die Braut seines verstorbenen Onkels.So verlebt Peter eine selige Kindheit voller Aufregungen und Entdeckungen. Seine Mutter bedeutet ihm alles, auf seinen Vater ist er stolz, weil auch er die deutsche Uniform trägt – bis die Russen da sind und mit ihnen die Partisanen. Flucht! Gleich zu Anfang kommt Mutter um. Flucht nach Ungarn, Flucht in den Sudetengau, Verlust des geliebten Großvaters und Vergewaltigung seiner Tante. Es folgen Vertreibung zurück in das verwüstete Ungarn und endlich die Flucht in das zerbombte Österreich, untergebracht in einem Barackenlager für ehemalige Zwangsarbeiter.Peter ist nun elf Jahre alt, unterernährt und schwer tuberkulosekrank. Er hat erst zwei Schulklassen absolviert. Niemand kümmert sich um seine Bildung, und die Schule des Flüchtlingslagers kann er auch nicht besuchen, weil er von einer stationären Behandlung zur andern gebracht wird.Seinen Vater haben die Kriegsereignisse zerbrochen, er trinkt. Peter wird allmählich vergessen. Jetzt, da er so notwendig Hilfe bräuchte, ist er allein gelassen und muss auf eigenen Füßen stehen. Gegen Tuberkulose gibt es kein Heilmittel, und er wird mit jedem Krankenhausaufenthalt kränker. Nachts weint er manchmal heimlich, weil er sich so verlassen fühlt.So kämpft Peter seine ganze Jugend hindurch um seine Existenz. Er kämpft immerzu um Liebe und Geborgenheit wie er sie durch sein Mutter kennt, doch reicht es immer nur zu kläglichen Liebesversuchen, die in Trauer und Einsamkeit enden.Selbst die verzweifelten Kämpfe, seinen Bildungshunger zu stillen, bleiben immer nur flüchtige Versuche. Die Tuberkulose macht alles, aber auch wirklich alles provisorisch, sogar das Leben selbst.So bleiben ihm nur zwei Dinge, die ihm zu überleben helfen: Seine Würde und die Bücher.Peter liest von Shakespeare bis Dostojewski alles was ihm unterkommt, täglich viele Stunden, Jahre hindurch. Heinrich Heine wird sein Lieblingsdichter. Der einzige, der mit ihm fühlt und sein Bruder ist.Mit 25 Jahren wird er von den Ärzten aufgegeben, er hat Milliard-TBC - „Galoppierende Schwindsucht“. Er hat schon viele sterben gesehen und keiner hat dieses Krankheitsstadium überlebt. Die Botschaft ist für den jungen Mann nicht zerschmetternd. Schon lange hat er geahnt, dass es so kommen würde. Nun war es eben da.Da erlebt er eine spontane Heilung. Sein Primar freut sich am meisten, er nennt es ein Wunder. Peter weiß nun, Gott liebt ihn, er kümmert sich um ihn.Heute ist Peter 77 Jahre alt. Er ist seit 50 Jahren verheiratet und hat mit seiner Frau immer noch ein beglückendes Liebesverhältnis. Er hat Kinder und Enkelkinder und hofft, dass sie beim Lesen seiner Lebenserfahrungen besser begreifen, wie wertvoll das Leben an sich ist.Sie sollen auch wissen, wer ihre Vorfahren waren und wie wichtig eine Mutter ist. Vor allem aber, dass es sich lohnt, im Lebenskampf nie aufzugeben.

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